Pressestimmen

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Siegener Zeitung

"Skurril, absurd, genial und total gaga" von Helmut Blecher 

Tino Bomelino wandelt im Heimhof-Theater zwischen Genie und Wahnsinn 

Burbach-Würgendorf.Tino Bomelino lässt sich lange bitten, bis er nach etlichen Ankündigungstexten via Beamer – „Können wir die Veranstaltung noch verschieben?“ „Ich bin schlimm krank“ -  dann doch leibhaftig auf der Heimhof-Bühne erscheint. Man weiß zunächst nicht so recht, wo man an ihm dran ist. Es braucht seine Zeit, um sich mit seiner Mischung aus Standup-Comedy und Musik mit Gitarre und Loopstation anzufreunden und seinem so anderen fast zu Ende gedachte Programm warm zu werden.

 

„Ich habe einem Plan“, sagt Tino,  der mit coolen Sprüchen und noch cooleren Liedern unterhält. Comics, lustige Tiervideos und die Statements seines Mitbewohners seines Mitbewohners Andi, der eigentlich nur sein Spaghetti-Sieb sucht, machen seinen Auftritt  zu einem abstrusen und bisweilen absurden Mix aus Genie und Wahnsinn, aus purem Nonsens  und den stets überraschenden Erkenntnissen über den Sinn des menschlichen Lebens. Zwar fragt man sich bei Tino Bomelino:  „Was soll das Ganze?“. Doch wer sich auf ihn einlässt, hat seinen Spaß an seinen aberwitzigen Einfällen.

 

Der gebürtige Berliner Tino Bomelino, der in Stuttgart vergebens eine bezahlbare Wohnung gesucht hat und schließlich in Mannheim gelandet ist, vermag es mit seiner sympathischen und selbstironischen Art das Publikum mitzunehmen, das er mit der Ankündigung am Ende Duplo-Pralinen zu verteilen bei Laune hält. Doch letztlich ist es die Art und Weise, wie sich der querdenkende Comedian  mit seinem Alltag auseinandersetzt, die letztlich urkomisch, subversiv, total verrückt und völlig gaga ist.

 

Bei all dem geht es unter anderem um die beiden großen Themen: die Liebe und wie man jemanden umarmt, der einen Rucksack aufhat. Drückt man da den Rucksack mit oder versucht man, mit dem Arm in die Ritze zwischen Rücken und Rucksack zu kommen? Tino der in seine auf der Bühne mit Keyboard und Loop-Maschine über Temperaturen, Nudeln, Liebe und Moral strickt, versteht es 90 Minuten lang von Spitz auf Knopf zu kommen, ohne dabei bei seinen Problemlösungsvorschlägen über Problemen des Menschseins gänzlich den Faden zu verlieren.

 

Tino Bomelino, der auf seinem Stimmungsbarometer stets „genialo“ daherkommt. Der erwartet, dass man ihn niedlich findet (was er irgendwie ja auch ist),  lässt bei seinen Exkursionen in die Niederungen des realen Blödsinns nichts anbrennen. Seine Lautsprecheransagen, die knallhart dran sind am täglichen Horror des Bahnfahrens, oder die Tatsache, dass das Grab der ultimative Ort ist das Blumengießen nicht zu vergessen, wann man weg ist, zeigen nur auf, dass die Realität eigentlich nur eine Abfolge von aberwitzigen Ereignissen ist.

 

Tino will mehr Gerechtigkeit, mehr gute Sachen und weniger Parolen. Damit hat der Kabarettist in ihm seine Schuldigkeit getan. Ansonsten beschert er zu seiner Zuhörerschaft eine Abfolge von Erkenntnissen, wie die Notwendigkeit von Rauchmeldern, die eigentlich nur da sind, um festzustellen wie lange Batterien halten Zu guter Letzt war klar, dass man mit  Penetranz und Durchhaltevermögen alles schaffen kann. Man muss die Dinge nur zu Ende ... 

 

 

Süddeutsche Zeitung

"Heitere Häppchen" von Oliver Hochkeppel

Tino Bomelino verkörpert eine neue Generation von Comedians

Der Programmtitel „Man muss die Dinge nur mal zu Ende“ ist nicht nur geistreich und witzig, er illustriert auch exakt das, was TinoBomelino auf der Bühne der Lach- und Schießgesellschaft präsentiert hat: Ein buntes Sammelsurium schräger Ideen und kurioser Einfälle, die er in hoher Frequenz und allen möglichen Formen aus dem Ärmel schüttelt.

Schon zum Einstieg flimmern Dialogzeilen über die Leinwand, ob der Auftritt denn wirklich heute sein müsse. Projektionen spielen ohnehin eine große Rolle im Programm: Mal schiebt Bomelino absurde Diagramme dazwischen, mal seine Zeichnungen neuer, „verbesserter“ Tiere ( zum Beispiel der mit einem grünen Punkt versehene „Elepfand – wie Elefant, nur 25 Cent teurer“), mal gleich ein lustiges Tiervideo oder einen Straßenstreich à la „Versteckte Kamera“. Das korrespondiert mit Stand-Up-Texten, die aus versponnenen Alltagsbeobachtungen (von Gegenmaßnahmen gegen Smalltalk bis zum „ironischen Sporttreiben“), sanften Attacken gegen sich und das Publikum oder auch nur aus aphoristischen „Tagebuch“-Einzeilern bestehen. Wenn er Songs einstreut, zeigt sich, dass Bomelino auch ordentlich Gitarre spielen, ausgezeichnet singen und großartig mit der Loop-Station umgehen kann. Auch hier kommen meist Miniaturen, manchmal nur Fragmente, am längsten und konsequentesten ist noch sein makabres Kinderlied („Wir müssen alle sterben“), mit dem er den Detlev-Jöcker-Kinderkitsch konterkariert.

Mit dieser Meisterschaft der ganz kleinen Form ist Bomelino eine Art Prototyp der neuen Comedy-Generation, die Tempo und Multistilistik der Poetry Slams adaptiert. Man könnte auch sagen, sie reagiert auf die Beschleunigung und Fragmentierung des Lebens, auf die verkürzten Aufmerksamkeitsspannen, bei denen große Bögen, rahmende Geschichten oder zuviel Sinnhaftigkeit überfordern. So lustig und skurril Bomelinos heitere Häppchen also sind, mitunter wünscht man sich, er möge eine seiner Ideen mal in einen größeren Zusammenhang stellen und eine Geschichte zu Ende ...

 

Stuttgarter Nachrichten

„Ich tue nicht so gerne nichts“ Von Cornelius Oettle

Der in Esslingen aufgewachsene Komiker Tino Bomelino kommt mit seinem ersten Soloprogramm nach Stuttgart in die Rosenau. 

Stuttgart - Am zerrütteten Hauptbahnhof kann man den beschäftigten Mann also noch treffen. Von hier aus wäre er im letzten Jahr vergleichsweise zügig zuhause gewesen. Als er noch in Esslingen lebte. Doch er wollte eben in eine richtige Stadt ziehen. Nach Stuttgart. Nur weiß man ja, dass eher noch Winfried Kretschmann auf der Königsstraße Breakdance-Nummern vorführt, als dass man hier eine passable respektive bezahlbare Unterkunft findet. „Ich habe dann aber eine Wohnung am Rand von Stuttgart gefunden: in Mannheim!“ Willkommen im Hirn des Komikers Tino Bomelino.

Wie man sich eigentlich Bomelino nennen kann, ist natürlich eine der ersten Fragen, die man dem in Ost-Berlin geborenen, aber in Baden-Württemberg aufgewachsenen Tino Hartmann stellen muss. Ihn trifft nur eine Teilschuld: Die Schwester einer Freundin verpasste ihm den Namen innerhalb einer Nachricht im ausgedienten Netzwerk StudiVZ. Ja, StudiVZ, der Vorfall ist also schon eine Weile her. Er fand ihn witzig und nannte sich so, als er beim Stuttgarter Poetry Slam in der Rosenau zum ersten Mal auf die Bühne ging. Damals studierte er noch Informatik an der hiesigen Universität - ein Studiengang, der nicht gerade dafür bekannt ist, Menschen anzulocken, die es auf Podeste zieht. In die Rosenau wird er am 20. Januar mit seinem ersten abendfüllenden Soloprogramm „Man muss die Dinge nur zu Ende“ zurückkehren.

Rund um die Uhr präsentiert Bomelino in Internet-Netzwerken Cartoons und Videos

Wer Bomelino mit verwuschelten Haaren und seiner seltsamen Affenkopfmütze einmal auf den Brettern sah, weiß: Es wäre ein kaum zu verschmerzender Verlust gewesen, ihn an die Algorithmen zu verlieren. Komödiantisches Talent sei dem 32-Jährigen schon immer attestiert worden: „Bei einer Abifeier hat mal jemand gemeint, dass ich eines Tages eine eigene Comedy-Fernsehshow haben werde.“ Die hat er noch nicht, aber Bomelino ist regelmäßig auf Bildschirmen zu sehen, beispielsweise in Dieter Nuhrs ARD-Show „Nuhr ab 18“. Preise und Poetry Slams gewinnt er immer wieder, den „NightWash Talent Award“ und den Stuttgarter „Master Comedy Clash“ hat er bereits abgesahnt.

Im Internet sendet er auf allen Kanälen, auf Twitter, Snapchat, Instagram, Facebook und wie der ganze Kram eben heißt, wo man ja hauptsächlich von nervtötenden Dumpfbacken und ihrem affektierten „Hallihallo, ihr Lieben!“ in den Wahnsinn getrieben wird. Einer der wenigen Gründe, die für die Mitgliedschaft bei derlei Netzwerken sprechen, ist Tino Bomelino, der dort rund um die Uhr Cartoons und Videos präsentiert: Bomelino peinigt seine Komikerkollegen in Hotelzimmern, Bomelino wirft Teller an die Wand und stellt porzellanene Einzelteile zurück ins WG-Regal, Bomelino sprintet als „Irritiermann“ im grünen Anzug irritierend durch Fußgängerzonen.

Der Eindruck drängt sich ob dieser täglichen Witzeproduktion auf: Der Komiker mit Gitarre und Loop Station im Rampenlicht, der mit Konfetti aus Wurst wirft und sich sorgt, ob er beim Tanzen eventuell jemanden in Gebärdensprache beleidigt – unterscheidet der sich denn gar nicht von der Privatperson? Macht er keine Pause, keinen Urlaub wie normale Menschen? „Naja, wir sitzen hier, während andere im Urlaub sind, und machen ein Interview“, antwortet Bomelino: „Ich tue einfach nicht so gerne nichts. Weil ich das, was ich tue, ja auch tun will. Es ist zu 100 Prozent cool.“ Hat er also keine Phasen, in denen er nicht zu Scherzen aufgelegt ist? Doch, die gab es. Bei der Antwort grämt er sich. Sie kostet offensichtlich Überwindung. „Depressionen“, sagt er nach einer Weile. „Ich stand an der Uni kurz vor dem Abschluss und war auch supergut. Aber ich fiel in ein riesiges Loch, aus dem ich nicht mehr herauskam.“ Retrospektiv betrachtet verwundert es nicht, dass ihn das Diplom wohl nicht erfüllen, nicht hätte glücklich machen können – Bestnoten und Auszeichnungen zum Trotz. 

Federball spielen gegen den eigenen Rucksack

Wochen habe es gegeben, in denen er zu nichts imstande war. Die Komik bringt ihn in solchen Momenten wieder auf die Beine: „Wenn ich merke, dass sich Leute über das freuen, was ich kreiere, hilft es mir, die Dinge als doch nicht so sinnlos anzusehen. Eine fast nihilistische Sicht auf die Welt vereinfacht es auch, die Komik in ihr zu sehen.“ Das Thema behagt ihm nicht. „Ich will auf keinen Fall, dass das so rüberkommt, dass ich die Krankheit missbrauche“, sagt er und wechselt das Thema.

Am Tag nach dem Gespräch meldet sich Bomelino via Facebook. Er gibt sein Okay, die Passage zur Depression soll ruhig in den Artikel: „Das definiert mich. Sonst würde etwas fehlen.“

Ein letzter Blick auf Instagram, nachdem der Text geschrieben ist. Zu sehen ist Bomelino auf einer Wiese. Es ist ein sonniger Tag, seine Kollegin Sophie Passmann hat ihm eine verdammt schwere Aufgabe gestellt, deren Bewältigung er in Videos festhalten muss: Er soll tun, was normale Leute bei Sonnenschein tun. Also in den Park gehen. Es läuft gut: Tino Bomelino spielt Federball gegen seinen Rucksack.

 

 

Und plötzlich spingt ein verrückter Typ mit Mütze auf die Bühne und fängt an zu singen: Es ist kein andere als Tino Bomelino, der mit seinem trockenen Humor und durchgeknallten Live-Musik Einlagen nicht nur seine Gitarrensaiten, sondern auch die Lachmuskeln der Zuschauer ordentlich zum Schwingen bringt.
Campus Radio Bonn FM, Maike Krebber

Anhand schräg-schöner Musikbeiträge lieferte der Mützenträger das überzeugendste Gastspiel des Abends. Besonders witzig: Bomelinos klingende "Erfahrungsberichte". Da wurden Menschen besungen, "die ein Bild aufhängen wollen, aber obdachlos sind". Oder Männer, die ihre Frauen mit einem Fahrzeug vergleichen: "Baby, du bist wie ein Auto: Praktisch. Und Dellen an der Rückseite hast du auch."
Neue Westfälische 2017, Dietmar Gröbing

Der gebürtige Berliner Tino Bomelino wirkt auf den ersten Blick relativ harmlos, doch sobald er anfängt zu erzählen oder besser noch zu singen, wird schnell klar: dieser Geist ist irgendwie anders. Seine Welt erscheint einerseits bodenständig und unaufgeregt, andererseits spricht er Dinge aus, die andere definitiv nur denken.
rbb Presseportal zu ,Nuhr ab 18’