Pressestimmen
Erfreulich schillernder Theaterabend
Vollmundig verspricht eine vierköpfige (Räuber-)Bande, Schillers sämtliche Werke ... leicht gekürzt an einem gut zweistündigen Abend über die Bühne zu bringen. Tatsächlich schafft sie noch mehr: gekonnt kommentierend von den Dramen abzuschweifen und Friedrich Schiller gnadenlos aus dem Grab zu zerren. Lebendiger hätte er im Jahr seines 250. Geburtstags kaum zurückkehren können. Das Altonaer Theater hat nach der Uraufführung einen Abend im Programm, der Kultstatus erreichen könnte.
Während der Kenner des schillerschen Werkes den All-inclusive-Wiedererkennungsfaktor genießen kann, werden alle Sturm-und-Drang-Anfänger im Publikum über Kürzesteinführungen eingewiesen und sind somit nur ganz leicht benachteiligt. Auf drei Beinen steht der Abend, der den leidenschaftlichen Schiller ebenso gründlich aufspüren wie heikle Seitensprünge wagen will: Szenen aus elf Werken des "größten deutschen Dramatikers" werden angerissen; doch nur, um jeweils kurz vor dem Höhepunkt abzubrechen und zweitens die eitlen Befindlichkeiten der ausführenden Schauspieler-Kabarettisten zu verhandeln - wie auf einer richtigen Theaterprobe halt. Die dritte Säule ist jene, in der sich die Darsteller rampennah mit biografischen oder historischen Details dem Publikum erklären.
Natürlich sind alle Brüche innerhalb der drei Ebenen nicht willkürlich, sondern ergeben sich aus der Inszenierung. Dafür muss jeder der vier mit individuellen Vorlieben herhalten: Michael Ehnert, der den kongenialen Text aus Schillers O-Ton und heutigen Dialogen schrieb, outet sich als Filmfan und bringt sich entsprechend ein: Sein "Umarme mich, mein Sohn" richtet sich eigentlich an Ferdinand aus "Kabale und Liebe", klingt indes wie "Der Pate" im Gespräch mit Michael Corleone. Hilmi Sözer, angelegt als Mann fürs Grobe, entpuppt sich als höchst differenzierter Darsteller aller Randgruppenfiguren. Der Musiker unter den Spielern, Jan Christof Scheibe, untermalt die Revue am Tasteninstrument und überzeugt als Frauenversteher. Kristian Bader schließlich strahlt als schwuler Egomane Iffland ebenso wie als geiler Verbündeter der "Maria Stuart".
In der Regie von Martin M. Blau entstand ein temporeiches und kluges Stück: Vom Rütlischwur in Lichtgeschwindigkeit zum klingonischen Imperium, vom Iffland-Ring zu jenem, "sie alle zu knechten"; und nicht zuletzt von der Schiller-Hysterie zum goetheschen Altherrentum. Gedankenfreiheit in bester Spielfreiheit.
Welt, 5.2.2009
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Friedrich Schiller, Quentin Tarantino, Uma Thurman, Bruno Ganz, Johann Wolfgang von Goethe, Marlon Brando, Michael Corleone und Adolf Hitler: Sie alle fanden Platz in dem schier unglaublichen Bestiarium der Herren Ehnert, Bader, Sözer und Scheibe, die sich in einer wahnsinnigen Parforce-Tour über Schillers Gesamtwerk hermachten und dabei ein Feuerwerk frivoler Flapsigkeiten entzündeten, dass es eine Art hatte. Dies alles würzten die scharfzüngigen, gewandten und außerdem noch akrobatisch veranlagten Herren mit einer gewaltigen Prise politischer Inkorrektheit, sodass sich das Publikum im Laufe des Abends in Tränen auflöste - vor Lachen natürlich. Das war eine Schiller-Revue, die es in sich hatte mit Rezitationseinlagen, bei denen es mitunter grabesstill im Saal wurde. Ein Hoch auf das unglaubliche Quartett Michael Ehnert, Kristian Bader, Jan Christoph Scheibe und Hilmi Sözer. Sie waren großartig und ernteten dafür orkanartigen Applaus.
NDR 90.3, 4.2.2009
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Durch Herz, Bauch und Eier
»Schillers sämtliche Werke ... leicht gekürzt« uraufgeführt
Absurd, witzig, komisch - kurz: Extrem unterhaltsam ist das, was dabei herauskommt, wenn man "Schillers sämtliche Werke ... leicht gekürzt" präsentiert. Am Altonaer Theater durchforsten vier komödiantische Spitzenkräfte zwölf seiner Dramen, reisen durch "Herz, Bauch und die Eier" des großen Dichters und zeigen Friedrich Schiller als coolen Typen, Frauenhelden und Regelbrecher.
Stürmisch feierte das Publikum die Uraufführung des Stücks von Michael Ehnert (Regie: Martin Blau), der zusammen mit Kristian Bader, Jan Christof Scheibe und Hilmi Sözer den Klassiker kräftig durch den Kakao zieht. Und im Pointenfeuerwerk aufs Heute zielt: "Die Jungfrau von Orléans" erklären die Verwandlungskünstler zur Mutter aller Kriegsfilme, Feldherr "Wallenstein" liest sein Schicksal aus dem Tageshoroskop der MOPO heraus und die Frage nach der Integration der "Räuber" erinnert an die aktuelle Multi-Kulti-Diskussion. Super!
Fazit: Auch musikalisch brillantes Schiller-Kabarett.
Hamburger Morgenpost, 5.2.2009
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"Schiller war der Tarantino unter den Klassikern"
Das Bader-Ehnert-Kommando, verstärkt um den Musiker Jan Christoph Scheibe und den türkischen Schauspieler Hilmi Sözer, verhackstückt rechtzeitig zum 250. Geburtstag von Schiller im Altonaer Theater dessen große Tragödien zu unterhaltsamer Kleinkunst.
Die weiße Schiller-Lockenperücke geht um. Jeder darf sie sich einmal überziehen, in die Rolle des schwäbelnden Sturm- und Drang-Genies schlüpfen und seinen Geist beschwören. Nur bei Hilmi Sözer zögern die netten Rampen-Kollegen und fragen abfällig: „Kannst du überhaupt Schiller sprechen?" Hilmi ist von ihnen als „Randgruppen-Darsteller" verplant, gibt dann aber eine dralle Luise oder einen stürmischen Don Carlos. Im Schnelldurchgang zappt sich das Spieler-Quartett durch neun Stücke von Schiller: Von den „Räubern" bis zum „Wilhelm Tell". In der witzigen Inszenierung von Martin Maria Blau erzählt es auch aus Schillers kurzem Leben: Von seinen Idealen, den Frauengeschichten und der Rivalität zum Weimarer Dichterfürsten Goethe.
Michael Ehnert, der bekennende Action-Film-Fan, hat das Buch geschrieben. Er verhehlt die Anleihen bei „Shakespeares sämtliche Werke ... leicht gekürzt" überhaupt nicht und kann sich natürlich Anspielungen auf seine Leinwand-Lieblinge nicht verkneifen. „Schiller war der Quentin Tarantino unter den Klassikern." Den Präsidenten von Walter („Kabale und Liebe") krächzt er, Apfelschnitten in den Kiefern, als „Paten" und Parodie auf Marlon Brando. Sein Graf Leicester aus „Maria Stuart" spielt gekonnt mit Augengläsern jonglierend Kristian Baders bebrilltem Mortimer die Slapstick-Bälle zu. Auch Scheibe mischt kräftig mit dem Degen und auf den Tasten des Keyboards mit, begleitet musikalisch die Sketche von Stings „Alien"-Reggae bis zum finalen Rap. Ein Abend der sich mit dem Rütli-Schwur verbrüdernden vier Schiller-Fans, der sich zur Feier und zur satirischen Nummernshow des wieder vereinigten Bader-Ehnert-Kommandos entwickelt.
Mehr dazu lesen Sie morgen im Hamburger Abendblatt.
Hamburger Abendblatt, 4.2.2009
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"Schillers sämtliche Werke.... leicht gekürzt"
Lustige Klassiker-Parodie im Altonaer Theater
Vier Männer, ein Dutzend Stücke und etliche Gags - das Altonaer Theater gratuliert Schiller zum 250. Geburtstag mit einem Schnelldurchgang durch sein Werk.
Schiller war ein cooler Typ. Findet sein Fan-Quartett am Tisch mit den Äpfeln. Sie verbünden sich für die "Freiheit der Kunst": Der Treueschwur der "Räuber"-Bande und des "Wilhelm Tell". Zwischen dem ersten und letzten Stück des Sturm- und-Drang-Genies zappen sich Kristian Bader, Michael Ehnert, Jan Christof Scheibe und Hilmi Sözer frech und lustig durch Schillers große Tragödien-Szenen. Für Klassikermuffel ein wahres Freuden- und Lachfest.
Denn die vier Akteure machen Pointen schindend reichlich Gebrauch von der "Freiheit der Kunst". Eifersüchtig tragen sie Mimen-Händel um Rollen aus, kalauern, was das Zeug hält ("Schiller chillt", "Fiesko-Fiasko") und witzeln über "Wallenstein" und seine Pappenheimer mit Pferdescharren und -schnauben. Ungezügelter Gaul-Klamauk.
Martin Maria Blau könnte sein Regie-Geschirr zuweilen etwas strammer, auch noch das Tempo anziehen. Doch Szenenaufbau und Running Gags, das Umkehren der Tragik in pralle Komödiantik funktionieren bestens. Ehnert, bekennender Action-Film-Fan, hat das Buch geschrieben. Er nimmt ungeniert Anleihen bei "Shakespeares sämtliche Werke ... leicht gekürzt" und zitiert seine Leinwand-Lieblinge. "Schiller war der Quentin Tarantino unter den Klassikern." Er bringt eine "Pate"-Parodie, lässt sich auch nicht Schillers Umarmung durch den knatternden Nazi-Adolf (Kristian Bader) entgehen. Das "Schiller-Veräppeln" hat zwar Ernst, mehr aber von Geburtstags-Tischfeuerwerk und Klassiker-Kabarett des Bader-Ehnert-Kommandos. (-itz)
Hamburger Abendblatt, 5.2.2009
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«Schillers Sämtliche Werke...» im Altonaer Theater
Hamburg - Die Theaterrevue «Schillers Sämtliche Werke...leicht gekürzt» hat gestern Abend eine umjubelte Premiere im Altonaer Theater gefeiert. Zum 250. Geburtstag des Dichterfürsten präsentierten die vier Comedians Kristian Bader («Caveman»), Michael Ehnert («Bader-Ehnert-Kommando»), Jan Christof Scheibe und Hilmi Sözer («Jerichow») ein unterhaltsames Programm rund um die wichtigsten Schiller-Werke, darunter «Die Räuber», «Kabale und Liebe», «Don Karlos» und «Wilhelm Tell». Aber auch persönliche Seiten des Rebellen, Freiheitskämpfers und Idealisten Schiller werden sichtbar. Im Herbst will die «Schillerban.de» aus Hamburg durch Deutschland touren.
(dpa)