Pressestimmen

PRESSE ZUR MÜNCHENPREMIERE DES NEUEN PROGRAMMS 'TATSACHEN' IM OKTOBER 2009

Süddeutsche Zeitung, Thomas Becker:
Miller gibt im Lustspielhaus den Dimpf par excellence, den König der Stammtischphilosophie...Nach einer Weile denkt man: Puh, das könnte einseitig werden, diesem bornierten Phrasendrescher mit seinen halbgaren Gedankengängen zu folgen. Noch eine Weile später ist dieser Gedanke verschwunden. Keine Zeit für so was. Man will jetzt nichts mehr von diesem grandiosen Gestotter verpassen. Miller hat ein neues Programm. Klingt normal, ist aber eine mittlere Sensation.

Abendzeitung: Mathias Hejny
Fans besuchen das neue Solo von Rolf Miller im Lustspielhaus etwas bang, denn nur schwer ist vorstellbar, dass es die Klasse des Vorgängerprogramms 'Kein Grund zur Veranlassung' halten kann. Lässt sich das schauspielerische Feintuning an provinziellem Klugscheißertum noch weiter drehen? Geht mehr Raffinesse im hinterhältigen Etablieren von Situationskomik durch scheinbar unkontrollierbar herumfliegende Satzfetzen? Es geht, weil der 42-jährige Miller einen namenlosen Odenwäldler mit sich selbst altern und - nennen wir es einmal so - reifen lässt.

Rolf Miller erhält für sein Programm 'Tatsachen' zur Münchenpremiere den AZ-Stern der Woche.

Südkurier
MANN DES TAGES - Rolf Miller ist ein durch und durch böser Mann. Zumindest, wenn er auf der Bühne steht.

Stuttgarter Zeitung: Thomas Rothschild
"Nix gegen den Weltkrieg", heißt es gegen Ende, "aber planen wollt' ich ihn nicht". Das hat Valentin'sches Format und gelegentlich kommt Rolf Miller auch Josef Hader so nahe, wie ein Mann aus dem Odenwald ihm nur kommen kann.

Schwäbisches Tagblatt
Vorsicht Gas, Kinder weg! 

PRESSE ZUR PREMIERE DES NEUEN PROGRAMMS 'TATSACHEN' AM 16. UND 17. OKTOBER 2009 IM MAIN ECHO 

Aschaffenburg: Geht doch nix über ein schönes Vorurteil: Wie soll einer, der Abend für Abend nur auf einem Stuhl hockt und vor sich hin schwadroniert, sich entwickeln können? Wird doch bestimmt langsam zu einer endlos und dumpf nörgelnden Masse, um die man am besten einen Bogen macht.

Und dann das: Der Humorist Rolf Miller, der bei seinem vorherigen Programm »Kein Grund zur Veranlassung« noch ein allgemein verständliches Kauderwelsch seines Heimat-Dialekts produzierte und den scheinbar gesunden Menschenverstand dokumentierte, legt mit »Tatsachen« Wurzeln frei. Die Mundart ist wieder das »Dürmerische« jenes Walldürn, in das er 1967 hinein geboren wurde, in dem er seine Kindheit verbrachte, wo er als Jugendlicher AC/DC favorisierte und in der Fußballjugend vor allem als giftiger und beinharter Verteidiger auffiel. Und den Menschenverstand reproduziert er nicht nur, nein: Er lässt - zumindest in einzelnen Sequenzen - dessen zugrunde liegendem Denken freien Lauf. Und plötzlich entdecken wir bei der Premiere des neuen Programms im zwei Mal hintereinander ausverkauften Aschaffenburger Hofgarten einen zum Kabarettisten gereiften Comedian: Aus dem Dummbeutel auf dem Stuhl ist das breitärschig dumpfe Gewissen einer Gesellschaft geworden.

Eingedampfte Männergespräche
Natürlich: Es geht in diesen zum Monolog eingedampften Männergesprächen vor allem ums Saufen, um Autos und um die Verachtung auf alles und alle, die nicht der eigenen Lebensplanung - heute ist heute und morgen ist morgen und an Übermorgen zu denken ist doch schon sehr anstrengend - entsprechen. Frauen? Nein, kein Prahlen mit dem großen Fick: Das braucht es in guten Männerfreundschaften nicht. Eher beiläufig kommt zur Sprache, dass einer aus dem Freundeskreis einen nun drei Monate alten Seitensprung finanziert. Wir lernen nicht, wir bekommen das gute alte Vorurteil bestätigt: Nicht Männer wollen immer nur das Eine, sondern Frauen - nämlich dem Mann wortwörtlich und im finanziellen Sinne sinnbildlich die Hosen ausziehen.
Viel wichtiger wird dem Anonymus auf der Bühne das Einordnen seines Lebenslaufes in die Schicksalsgemeinschaft der örtlichen Männergemeinschaft: Eckdaten sind durchzechte Nächte, Promillezahlen, Unfallberichte an die Versicherung - vorgetragen in Halbsätzen, Wiederholungen, Pausen, Erinnerungslücken.
Da sitzt - Ellbogen auf die Knie gestützt - also einer auf der Bühne, der gar nicht mal so dumm aussieht, und brabbelt zur allgemeinen Ergötzung vor sich hin - und alle im Saal wissen aus der Beobachtung im Alltag und möglicherweise sogar aus eigener Erfahrung, dass es solche Simpel tatsächlich gibt. So weit, so gehabt bei Rolf Miller. Aber dann wird in »Tatsachen« das Verheddern in Sätzen, das Stocken nicht nur zur Suche nach dem rechten Wort: Es ist dieser Blick, der uns ahnen lässt, dass es hinter der ausdruckslosen Fassade zu denken beginnt. Und plötzlich kommen Sätze, nach denen das Lachen im Publikum erst mit Verzögerung einsetzt - nicht wegen der scheinbar fehlenden politischen Korrektheit, eher deutet die kurzzeitige Sprachlosigkeit auf Ertapptsein hin.


Überspannende Beklemmung
Wenn Miller sich beispielsweise an Fernseherlebnisse seiner Kindheit erinnert, an den zornroten und vor sich hin wütenden Franz Josef Strauß: »Ich hab' gedacht, das ist der Adolf - bis mir's mein Bruder erklärt hat.« Oder jenen Satz Churchills zitiert: »Wenn Hitler den Krieg gewonnen hätte, wäre der Gaza-Streifen heute ein Golfplatz.« Da überspannt für einen Augenblick Beklemmung den Saal, bis den da oben auf der Bühne noch rechtzeitig der Geistesblitz trifft: Stimmt, war ja gar nicht Churchill, war ja der Kumpel Achim, der das gesagt hatte.
Der Mensch also als denkendes Wesen - und unerbittlich prasseln die Tatsachen auf ihn ein: Alles vermengt sich - und alles wird eins, was eine 1400 Gramm schwere Hirnmasse da zu verdauen hat. In einem beiläufig geäußerten Satz beklagt Miller die Dauerpräsenz von Westerwelle und Kerner im Fernsehen - dabei sollen die zwei sich doch auf Politik konzentrieren. Ein einziger Satz als geniale Analyse unserer Mediengesellschaft: Das ist genauso - um Rolf Millers höchstes Lob, den er für die Wirrnisse im Weltenlauf findet, zu gebrauchen - einwandfrei wie ein zweistündiges Programm, das auf erschütternde Weise ohne Übertreibungen und -zeichnungen auskommt und damit die Wirklichkeit zur tragischen Bühnenfigur macht.
von Stefan Reis

weitere Pressestimmen:

"Wer allerdings das ganze Ausmaß seiner Kunst begreifen will, muss einen Abend mit ihm verbringen. Was planloses Gefasel scheint, ist tatsächlich ein planvoll verwobenes Gespinst. Miller mimt einen komischen Typen, der all den Comedy-Gestalten von der Stange weit überlegen ist - und dabei entschieden komischer rüberkommt."
Gerd Blase, MAINZER RHEINZEITUNG 

"Was für eine Kunstfigur: So begnadet unterbelichtet und hinter aller scheinbarer Harmlosigkeit doch von gefährlichem Spießertum, das Denken dabei ebenso schlicht wie verblüffend verquer! Ein deutscher Schäferhund im Schafspelz. Ein Narr, über den man lacht, weil man Seinesgleichen zu kennen glaubt und der ein ganzes Symptomkaleidoskop zur grotesken Karikatur verdichtet. Weil das gleich auf mehreren Ebenen funktioniert, bleibt der Abend trotz statischer Stuhlsitzung faszinierend...Denn der hintersinnige Biss kommt bei aller Trivialität durch die Form und die gereicht zur wunderbaren Dada-Sprachorgie: Stotternd schwadroniert sich Miller durch sinnentleerte Binsenwahrheiten, kaut hilflos an Worthülsen, verdreht Sprichwörter und Metaphern, verliert immer wieder den Faden, bleibt stecken, strampelt sich mühsam aus hanebüchenen Floskeln heraus und stammelnd ins nächste Fettnäpfchen hinein. Kein Satz ist vollständig, alles nur Fetzen und Bruchstücke, Nachgeplappertes, Aufgeschnapptes. So verkümmert wie das Denken dahinter, das in den Leerstellen böse aufscheint. Die füllt der Zuschauer dann mit seinen eigenen Erwartungen - und wird dabei immer wieder angeschmiert."
Marion Klötzer, BADISCHE ZEITUNG

Rolf Miller wurde mit dem Deutschen Kleinkunstpreis 2006 in der Sparte Kabarett ausgezeichnet.

Aus der Begründung:
"Damit zeichnet die Jury einen Wortkünstler aus, der den Eindruck erweckt, als könne er mit Worten nicht umgehen. Stotternd, nach Begriffen suchend und in halben Sätzen artikulierend, findet seine kunstvolle Sprechsinfonie dennoch ganze Wahrheiten. Im Durcheinanderwürfeln standardisierter Sätze entzerrt er sie bis zur Kenntlichkeit, aber da wo die Worte fehlen, lauert die Pointe."

Der Deutsche Kleinkunstpreis ist der älteste deutsche Preis, der in den Sparten Kabarett, Chanson/Lied/Musik und Kleinkunst verliehen wird. Die Preisträger werden von einer vom UNTERHAUS MAINZ berufenen Fachjury ausgewählt.