Pressestimmen Hader spielt Hader

Das Programm HADER SPIELT HADER zeichnet nicht nur aus, dass der Kabarettist hier eine Art ‚Best of’ seines Schaffens gibt, sondern auch von Zeit zu Zeit Einblicke ins Persönliche seiner Figuren gewährt, die sie auf eine beinahe tragische Weise menschlich machen
Schwäbisches Tagblatt

Je persönlicher, privater er zu werden scheint, desto mehr gilt es auf der Hut zu sein. Ist er wirklich der entspannte Entertainer, der zu Beginn hereingeschlurft kommt, halb desinteressiert über Erwartungshaltungen plaudert und dann dem Abend gleich jede Bildungsbürgerlichkeit austreibt durch einen Exkurs über Humanismus mit bewusst plumpen Kalauern? Oder ist er der selbstkritisch-resignierte Künstler, der sein früheres Engagement als Kampf gegen Windmühlen erkannt hat? Ist er der blasierte Star, der mit seinem ebenso blasierten Techniker wegen einer Scheinwerferposition aneinander gerät? Oder entspricht ihm, was er am liebsten tut – nämlich sich selbst als den größten Drecksack von allen hinzustellen wie bei seinem Kindheitstraum vom Leben als Cowboy, der nicht friedlich in die Gegend grüßt wie die schulterlahmen Karl-May-Filmhelden, sondern im Saloon den Pianisten abknallt. Von hinten (denn der schaut ja zur Wand), aber zwischen die Augen.
Genau so feuert Hader auch seine Pointen aufs Publikum ab: über einen Umweg, aber um so treffsicherer.

Wenn er zu Beginn der Vorstellung etwas «blunsig», mit seelenwund gesenkten Augenliedern und gebremstem Elan in der Stimme auf die Bühne der Meistersingerhalle schlurft, dann gilt es bei Josef Hader, auf der Hut zu sein. Die scheinbar privaten Plaudereien über seine Erwartungshaltungen an diesen Abend und das neue Programm sind Fliegenleim. Schnell fällt man darauf rein und folgt dem traurigen Clown auf seine bewusst plumpen Exkurse über gesunde Ernährung, Klavierunterricht oder Vorurteile.

Dann ist die Falle zugeschnappt und man klebt Hader an den Lippen. Natürlich ist angesichts Haders Liebe zum Absurden und Grotesken diese Art der Komik nicht zweckfrei. Die provokant hingeworfenen Behauptungen, Humanismus bringe nichts und Kinder seien an Weihnachten ganz nett, sonst aber eine Plage, bedeuten das glatte Gegenteil des Gesagten. Haders Humor ist eine paradoxe Intervention, mit deren Hilfe die Welt in schwärzesten Farben geschildert werden muss, um den Zuhörer zum Nachdenken zu bringen.

Das gelingt bestens in der Satire über die lieblose Kälte der das ländliche Milieu erfassenden Leistungsgesellschaft oder dem verstörenden Stück übers Sterben. Parodierend, karikierend und vorgeblich unbedarft, spintisiert Hader über zwei Stunden lang seine gedanklichen Bandwürmer bis zum oft ekligen Äußersten, das durch den belletristischen Deckmantel doch leicht verdaulich bleibt.
Nürnberger Zeitung 


Was für ein Vergnügen! Auch die grandiose Höllenfahrt durch die Wiener Kanalisation (in schönsten Hundertwasser-Brauntönen) aus dem meilensteinernen "Privat"-Solo findet sich in dieser Rückblende, die in verführerischen Vorführeffekten die wegweisende Rolle dieses Theater-Kabarettisten beleuchtet. Die bruchlose Montage aus fünf Programmen, mit denen der Wiener Josef Hader in der Meistersingerhalle den geplanten Schluss- und Höhepunkt hinter die 25. Nürnberger Kabarett-Tage setzte, funktionierte als Einstiegsdroge genauso wie als Satire-Rausch zum Aufwärmen. Eine Bestandsaufnahme, die als Best-of-Annahme gipfelt. Es kommt im Kabarett eben nicht nur darauf an, was einer kann, sondern auch, was er will.
Abendzeitung Nürnberg 

 

Kulturspiegel Dezember 2009 von Anke Dürr

Der Gott des Zweifels

Sanfter Hundeblick oder eiskaltes Vertreterlächeln: Josef Hader ist als Kabarettist der Größte. Er ist aber auch ein begnadeter Drehbuchautor und Schauspieler.

Es passiert einem nicht so häufig, dass man mit dem Zug fährt und beim Aussteigen von einer Mitreisenden wegen seiner guten Laune angesprochen wird. Sie will wissen, über welchen Film man sich denn da gerade so amüsiert habe. Die Frau fragt nicht pikiert, sondern aufrichtig interessiert. Sie erinnert ein bisschen an die ältere Dame in der berühmten Szene aus „Harry und Sally“, die im Restaurant das Gleiche essen möchte wie Sally, nachdem diese laute Orgasmus-Geräusche von sich gegeben hat.
„Josef Hader privat“ heißt die DVD, die da im Zug zwischen Wien und Amstetten lief.Die Frau bedankt sich und verschwindet in der Unterführung. Der Name Hader genügt in Österreich.
Am Abend desselben Tages steht der Kabarettist Josef Hader auf der Bühne einer mattgrau ausgekleideten Mehrzweckhalle in Waidhofen an der Ybbs, eine gute halbe Stunde südlich von Amstetten.„ Hader muss weg“ heißt sein aktuelles Programm. In einer Szene spielt er da einen etwas biederen, aufdringlichen Kabarett- Besucher, der seiner Freundin begeistert erklärt, warum Haders Programm „Privat“ so genial ist. Laut zitiert er die besten Pointen, ganz so, wie man es selbst am Nachmittag auf dem Bahnhof gern getan hätte. Erwischt.
Josef Hader macht es einem nicht leicht, ihn zu loben. Aber es muss sein:Denn Hader, 47, ist nicht nur der beste Kabarettist im deutschsprachigen Raum – was in Deutschland immer noch zu wenigen bekannt ist –, sondern – was noch weniger wissen – er ist auch ein begnadeter Drehbuchautor und Schauspieler. Im September wurde der Österreicher gar mit dem Deutschen Fernsehpreis als bester Hauptdarsteller ausgezeichnet.
Bei vielen Filmen, in denen Hader mitspielt, schreibt er auch am Drehbuch mit, und er nimmt sich dafür extrem viel Zeit.Auch bei seinem jüngsten Kinofilm „Der Knochenmann“, der im Februar bei der Berlinale Premiere feierte, war das so, und es zahlt sich aus. Der Film ist ein wilder Genremix aus Thriller,Komödie und Liebesgeschichte, und wenn das Drehbuch nicht so sorgfältig gebaut wäre, die Dialoge nicht so genau wären, würde einem die eigentlich abstruse Geschichte um die Ohren fliegen. So aber schwebt sie wunderbar auf dem Grat zwischen tragisch und komisch.
Hader spielt in dem Film den Ex-Polizisten Brenner, der für einen Freund in einem Landgasthof in der Provinz Geld eintreiben soll. Der Empfang dort ist reserviert. „Wir haben noch gar nicht auf“, sagt der Wirt zur Begrüssung. Brenner schaut sich um, schaut auf die Leute, die alle vor ihrem Bier sitzen, und fragt: „Echt?“ – „Echt.“ – „Bei Ihnen ist der Gast noch richtig König, oder?“, bemerkt Brenner. Darauf der Wirt: „Wir sind kein Gasthaus, wir sind ein Wirtshaus.“

Aber Hader kann auch anders. In dem Fernsehfilm „Ein halbes Leben“, für den er den Deutschen Fernsehpreis erhielt, spielt er einen einfachen Mann, einen U-Bahn-Fahrer, der in seinem kleinbürgerlichen Leben ein schreckliches Geheimnis mit sich herumschleppt – er hat vor Jahren eine junge Frau vergewaltigt und ermordet. Umso verzweifelter und vergeblicher bemüht er sich, die Normalität mit Frau und Kind aufrechtzuerhalten. Hader spielt die Rolle ganz klar, ganz reduziert. Und schafft das Kunststück, den Mann nicht als Monster zu zeigen. Im Gegenteil, er ist sympathisch und kommt einem erschreckend nah.
Hader ist in diesem Film keine Sekunde der Kabarettist Hader. Um zu verstehen, was das für eine Leistung ist,muss man sich nur mal kurz Michael Mittermeier in so einer Rolle vorstellen.
Hader erklärt seine Glaubwürdigkeit so: „Ich hab gewusst, ich kann das spielen. Ich versteh die Figur in allem, was sie tut, mit Ausnahme des Verbrechens.Und ich bin ganz talentiert darin, ein schlechtes Gewissen zu haben.Wegen viel kleinerer Vergehen.“ Ein Erbe seiner katholischen Erziehung. „Diese Aggressionshemmung, die der hat, die kenne ich gut.Aber ich kann das ja auf der Bühne ausleben und dort eine halbwegs wilde Sau sein. Irgendwo muss es hinaus.“
Wer Josef Hader in „Ein halbes Leben“ gesehen hat,weiß, dass er es zu einem bekannten Fernsehstar bringen könnte, wenn er es wollte. Aber er will in erster Linie Kabarettist bleiben. Nur warum? Warum zum 600.Mal „Hader muss weg“ vor ein paar hundert Leuten spielen,wenn man mit einem Spielfilm dieselbe Anzahl an Zuschauern locker an einem einzigen Abend vor dem Fernseher versammeln kann? Warum dreimal die Woche mit dem Auto über die Landstraßen fahren, heute Waidhofen, morgen München, um aus dem Stau direkt in die kahle Garderobe zu kommen, wo als einziger Luxus frischer Ingwer auf ihn wartet? (Ingwertee ist gut für den Hals, den Trick hat er sich bei Sting abgeschaut, seitdem steht die Knolle auch bei Hader im Vertrag.)

Hader lacht über diese Frage, eine typische Journalistenfrage, er hat sich darüber auch schon auf der Bühne lustig gemacht. „Reiner Schauspieler möchte ich nicht sein“, sagt er. „Mächt i ned sein“, sagt er eigentlich, in einem zurückgenommenen, eingewienerten Oberösterreichisch, das im Lauf des Gesprächs immer stärker wird. „Da müsste ich vielleicht mit Leuten arbeiten, die ich nicht mag.“ Als Kabarettist könne er alles allein beschließen: „Wann ich auftrete, wo ich auftrete, was ich sage. Diese Unabhängigkeit ist ein Riesenluxus.“ Keiner, der ihn mit Make-up-Schwämmchen und guter Laune belästigt, nur sein Techniker, der Gerhard. Der ist seit 13 Jahren mit ihm auf Tour und ist auch Österreicher.
Das Kabarett ist Haders ökonomische Basis, eigentlich schon seit der Schulzeit. Im Internat des weltberühmten Klosters Stift Melk an der Donau verdiente er sich mit Kabarett-Nummern über die Lehrer das Taschengeld für die Abschlussfahrt. Bereits mit seinem zweiten professionellen Programm gewann er 1985 den „Salzburger Stier“ und brach sein Lehrerstudium (Deutsch und Geschichte) ab. Inzwischen reist er nur noch zweimal drei Monate im Jahr mit seinen Programmen über Land – neben „Hader muss weg“ von 2004 ist das „Hader spielt Hader“, ein immer wieder abgewandeltes Best-of, das er bereits vor zwölf Jahren entwickelt hat. Solange die Leute das immer noch sehen wollen, gebe es für ihn keinen Grund, ein neues Programm zu entwerfen, sagt Hader.
So hat er mehr Zeit, an neuen Filmprojekten zu schreiben – ein neues Werk mit Wolfgang Murnberger, dem Regisseur, mit dem er den „Knochenmann“ und noch zwei weitere Filme gemacht hat, wird er im Frühjahr in Angriff nehmen, wenn er seine aktuelle Auftrittsserie beendet hat.
Aber das Kabarett ist nicht nur Haders ökonomische Basis, sondern auch seine künstlerische. Wer ihn auf der Bühne erlebt, sieht sofort, dass hier nicht nur ein intelligenter Comedian, sondern auch ein ausgezeichneter Schauspieler und Drehbuchautor steht. Mit sanftem Hundeblick kann Hader Boshaftes vermeintlich nett rüberbringen, so wie er andererseits ein eiskaltes Vertreterlächeln aufblitzen lässt, um eine Spitze so richtig scharf zu machen.
Seine Abende erzählen immer eine ganze Geschichte – sie sind mehr Theaterabende, in die lustige Nummern eingebaut sind. In „Hader privat“ berichtet er zunächst von seiner Kindheit auf dem Bauernhof und ersten Demütigungen in Sachen Liebe. Dann nimmt er seine Zuschauer mit auf eine absurde Reise: Er begegnet dem Ast, der Ödön von Horvath einst in Paris erschlagen hat, und reitet auf ihm bis in die Hölle, zum Mond und zurück. „Hader muss weg“ ist das Gegenteil dieses Egotrips: Zwar spielt Hader da auch sich selbst, aber auch noch sechs andere Rollen, unter anderen den schon erwähnten Kabarett-Besucher, dessen Freundin und einen Hallodri, der die Frau im Lauf des Abends abzuwerben versucht. Der Kabarettist wird gleich am Anfang umgebracht. Hader killt Hader. Es folgen die seltsamsten Verwicklungen, bis schließlich alle wieder bei der Kabarettisten-Leiche aufeinandertreffen.Wie Hader diese Auflösung schafft, das ist beste Screwball-Komödien-Kunst, und wie ein roter Faden läuft durch den Abend die Frage, warum der Österreicher so gern den Konjunktiv benutzt („I dad sag’n…“).Man ahnt, warum der so belesene Schriftsteller Daniel Kehlmann Hader zu den besten deutschsprachigen Dramatikern zählt.
So unterschiedlich Haders Programme auch sein mögen, die Absicht dahinter ist immer die gleiche: „Ich hätt gern, dass die Leut nicht mehr wissen, wenn sie aus meinem Programm rausgehen, sondern weniger“, sagt Hader. Er habe, anders als klassische Kabarettisten, keine Überzeugungen, die er vermitteln wolle, schon gar keine politischen. „Ich bin besser im Zweifeln“, sagt er. Zweifeln an der Welt, Zweifeln an sich selbst, auch Verzweifeln ist möglich,wenn es denn komisch ist.„Das Beständigste in meinem Leben ist die Unsicherheit.“
Die Verunsicherung seines Publikums betreibt er systematisch – als Schauspieler in „Ein halbes Leben“,wo er den Vergewaltiger so sympathisch darstellt, dass man sich fragt, ob man den jetzt wirklich mögen darf. Als Kabarettist, wenn er auf die Bühne kommt und behauptet, dass er gar nicht weiß, was er jetzt sagen soll. Auf die Spitze treibt er das in „Hader muss weg“:Nach einem vermeintlichen Lichtausfall gleich zu Beginn geht er wieder hinter die Bühne, man sieht ihn nur über eine angeblich zufällig angeschaltete Kamera, wie er sich mit seinem Techniker unterhält – so lange, bis in der Waidhofener Mehrzweckhalle tatsächlich ein Zuschauer nervös wird und ruft: „G’hört des scho zum Programm?“
Gern zieht Hader auch wie im klassischen Kabarett einen Politiker nach dem anderen durch den Kakao und treibt das Publikum in die Lachsalven regelrecht hinein, um dann zu fragen: „Und was wollt’s ihr? Eine Demokratie ohne Politiker?“
Die Philosophie des Zweifelns, sagt Hader, habe er bei seinem Altgriechischlehrer in Stift Melk gelernt. Er besucht ihn heute noch regelmäßig; in Waidhofen kommt er fast zu spät zu seinem Auftritt, weil er sich mit dem alten Mann verplaudert hat. Sokrates und der Linkskatholizismus der Siebziger haben Hader geprägt. „Zweifel ist auch eine Form zu glauben“, hieß es damals.

Hader ist Mitglied der katholischen Kirche, den „Kinderglauben“ allerdings habe er schon früh abgelegt: „In dem Moment, in dem man aufhört, an das Christkind zu glauben, kann man doch auch nicht mehr an die jungfräuliche Geburt glauben, oder?“ Wenn Hader erst mal anfängt, über den Rollback der katholischen Kirche unter dem „polnischen Papst“ zu reden, hört er gar nicht mehr auf. Das Idol seiner Schulzeit ist Johannes XXIII., der nach seiner Wahl zum Papst angeblich gesagt hat: „Ich bin jetzt unfehlbar, aber ich denke nicht, davon Gebrauch zu machen“ – eine Pointe, wie von einem Kabarettisten erfunden.
Die Kritik an der katholischen Kirche taucht immer wieder auf in Haders Programmen – es ist auch einfach ein zu dankbares Thema.Was sonst noch privat ist an „Hader privat“ und seinen anderen Programmen, lässt er bewusst offen. Die Kindheit auf dem Bauernhof, der jüngere Bruder, der den Hof übernahm und ihm so die Freiheit schenkte, Kabarettist zu werden, die gibt es. Auch an dem Erschrecken, als die Eltern ihn als Grundschüler bei einem Krankenhausaufenthalt erstmals fragten,„Wie geht es dir“, ist ein wahrer Kern: „Ich muss mich sehr bemühen, die Leute um mich herum auf dem Laufenden zu halten, was in mir vorgeht“, sagt Hader. „Als Kind hab ich gelernt, alles in mich hineinzufressen und zuzusperren.“
Und die vielen unglücklichen Lieben? Nur ein dankbares Kabarett- Thema? Kein Kommentar. Er spricht nur von einer „recht angeregten Patchworksituation“ in seinem Privatleben. Die Liebe zu Mozart allerdings, die gibt es wirklich – wenn er sich also auf der Bühne lustig macht über den Allgemeinplatz „Mozart ist der Größte“, verarscht er damit auch sich selbst. Hader kann ausführlich erläutern,welche „Così fan tutte“-Einspielung für ihn die beste ist (eine Live-Aufnahme aus Glyndebourne, am Pult Sir Simon Rattle) und was er von Claus Guths „Figaro“-Inszenierung bei den Salzburger Festspielen hält (nicht viel).
Er war aber in Salzburg nicht auf dem roten Teppich. Hader hat sich die Inszenierung im Fernsehen angeschaut. Der private Hader ist ein zurückhaltender Mensch. Dass er eigentlich ein gutaussehender Mann ist, merkt man erst auf den zweiten Blick, ähnlich wie bei John Cusack. Hader versteckt sein Gesicht auf der Straße gern unter einem Che-Guevara-Käppi, seine Kleidung ist meist braun oder schlammgrün.Tarnfarben.Die leicht hängenden Schultern, die seiner Figur in „Ein halbes Leben“ so ein Schuldbewusstsein verleihen, verraten den Nichtsportler.
Und die schwarze Hornbrille aus „Hader privat“, die erst nur eine Requisite war und dann sein Erkennungsmerkmal, hat er längst abgelegt. Er trägt jetzt so ein grünlich-graues, leicht geschwungenes Metallgestell. Er könnte alles sein damit. Lehrer. U-Bahn-Fahrer. Oder Kabarett-Zuschauer.

Pressestimmen zu Hader muss weg

„Das neue Programm heißt „Hader muss weg". Premiere war in einem der kleinsten und hübschesten Wiener Kabarett-Theater, im Theater am Alsergrund. 80 Zuschauer - was für ein Luxus für einen, der am Neujahrstag wieder vor vollen Rängen im Burgtheater auftreten wird. Es wurde bei der Premiere viel gelacht, obwohl es abgründig böse war. Prominente und Bundeskanzler, ließ Hader mitteilen, würden nicht vorkommen - politisches Kabarett ist nun mal nicht mehr opportun. Aber Hader wäre nicht Hader, würde e, übertragen aus der Garderobe, einen im Wiener Jargon bösartigen Exkurs über Gesellschaft und Politik. Dann stürzt er in den Zuschauerraum, im Mantel Kottans (den Lukas Resetarits einmal spielte, Haders Lehrmeister) und in der Haltung derer, die er in Filmen so fabelhaft spielt, die in sich r sich dem Trend fügen. Mit einem Trick bietet er noch vor dem offiziellen Beginn völlig Eingeschlossenen, gekrümmt, immer auf Verteidigung eingestellt. Er telefoniert mit seiner Frau. Ein Gespräch über die Beziehung, die längst keine mehr ist. Das ist Haders Thema: die Missverständnisse zwischen den Geschlechtern, die Unmöglichkeit von Nähe. Anders als noch in „Privat", wo er mit seinen biografischen Bekenntnissen irritierte, ist „Hader muss weg" nur noch ein Spiel, ein Schauspiel. Er spielt mit Hader, dem besten Kabarettisten, dem gefragten Filmstar, der seine Fans missgelaunt abkanzelt und sich doch schmeicheln lässt. Dann kommt sein Fahrer von der Straße ab. Ein Unfall in öder Gegend, wo er von einem bankrotten Tankstellenbesitzer erschossen wird. Hader ist tot, aber Hader macht weiter in Gestalt von mindestens sieben anderen Figuren. In der Sparsamkeit virtuos sind diese Verwandlungen (Regie: Petra Dobetsberger). Mühelos verwickelt er bis zu drei Figuren in einen Dialog, hält er die Handlungsstränge dieses Krimis zusammen, der bis ins Prostituiertenmilieu führt. Von total verpfuschtem Leben handelt dieser Abend, von Menschen, die zur Verteidigung ihres Besitzes über Leichen gehen, die nur noch Emotionen zeigen, wenn der Lack ihres Skodas zerkratzt wird. Zum Schluss hat Hader drei Tote auf die Bühne gespielt und steht unbeschädigt da, in der Hand ein Handy für eine Kommunikation über die Unmöglichkeit der Kommunikation. Kein Lichtblick, nirgends; finsterer geht's nimmer. Ein perfekter Abend mit brillanten, die Sprache auf ihr Zerstörungspotenzial durchleuchtenden Texten.Weit weg vom Kabarett, ganz nah an einem Theater, das solche Nähe zur Realität selten erreicht."
Thomas Thieringer, Süddeutsche Zeitung

„Die ersten fünfzehn, fast zwanzig Minuten des neuen Hader-Programms sind eine kurze, furiose Gespensterstunde, ein ätzend böses, frei mäanderndes Hörstück, in dem nichts ausgespart und niemand geschont wird. Hader trägt den Wutausbruch in seinem charakteristischen, hochmelodiösen Parlando vor, das an der Oberfläche Banalität suggeriert und darunter eine Perfidie an die andere reiht. Das Tempo ist aberwitzig, die Themenführung rein assoziativ, was man zunächst jedoch kaum registriert, weil der charmante Tonfall alle Unebenheiten und Widerhaken sorgsam zupolstert, aber nur ein, zwei Millimeter dick.

„Hader muss weg" hebt im Gegensatz zu „Privat" nicht ständig in surreale Sphären ab, das Programm bleibt über zwei Stunden lang konsequent am Boden, genauer: auf der Straße. Hader spielt sich selbst, als Kotzbrocken natürlich, und erleidet schon früh einen ebenso zufälligen wie schäbigen Tod durch Erschießen. Daneben verkörpert er sechs weitere Protagonisten (darunter zwei Frauen), ohne dabei jemals seinen zerschlissenen Columbo-Mantel abzulegen. „Hader muss weg" ist ein Stück für mehrere Stimmen, wobei allesamt von Hader selbst gesprochen werden - eine Sieben-Goschen-Oper sozusagen, die den one and only Hauptdarsteller auf dem Höhepunkt seiner geistigen, physischen und dialektalen Potenz zeigt. Hader fordert sich körperlich und konzentrationstechnisch bis zum Äußersten, was als schiere Präsenzleistung respektabel genug, aber künstlerisch noch nicht unbedingt abendfüllend wäre. Diesen entscheidenden Mehrwert generiert Hader kraft seiner Intelligenz, seines Wortwitzes - und seiner Menschlichkeit."
Sven Gächter, Profil

„Hader erzählt eine rasante Pulp Fiction-Geschichte. Aber er erzählt sie nicht wirklich, da es weder einen auktorialen noch einen Icherzähler gibt: Hader reiht eineinhalb Stunden lang konsequent Dialog an Dialog. Die insgesamt sieben Charaktere, die er abwechselnd verkörpert, sind nicht so sehr durch Gestik definiert, aber durch Stimme, Sprache, Lachlaute. Und Hader macht das, wie gewohnt, hervorragend."
Thomas Trenkler, Der Standard

„Dass seit „Privat" mehr als zehn Jahre vergangen sind, hatte nicht zuletzt wohl auch mit Haders ehrgeizigem Anspruch zu tun, sein Kabarett mit jedem Programm sozusagen neu zu erfinden, was von Mal zu Mal schwieriger wird. Die Übung ist schließlich aber auch diesmal meisterlich gelungen. Einerseits treibt Hader die Selbstbefragung konsequent weiter: In „Privat" hatte er sich in den Kopf geschaut, diesmal lässt er sich das Hirn aus dem Schädel blasen. Andererseits emanzipiert sich Hader zugleich auch von sich selbst: „Hader muss weg" ist ein Ensemblestück, in dem der Kabarettist insgesamt sieben Rollen spielt, darunter auch einen emotional verwahrlosten Barpianisten mit Falco-Stimme, der wohl das bisher schwärzeste Alter Ego des Künstlers darstellt. Das neue Programm ist zugleich der beste Film, den Hader nie gedreht hat."

"Hader muss weg" kommt daher, wie ein Film. Wie eine spärlich ausgeleuchtete, aber umso engagierter gespielte low-budget-Produktion, in dessen Verlauf sich sieben weitgehend verpfuschte Lebenswege unter dramatischen, gewalttätigen und gelegentlich grotesken Umständen kreuzen. Hader kombiniert die sieben Einzelschicksale zu einem zwar wenig erfreulichen, aber in seiner Tragikomik fesselnden Sittenbild, das ganz ohne phantastische Ausflüge ins Irreale - wie die in "Privat" u.a. vorkommenden Reisen durch die Kanalisation oder ins eigene Gehirn - auskommt. Ein an dieser Stelle längst fälliges 3-faches Hoch auf die Regisseurin Petra Dobetsberger."
Peter Blau, Kabarett.at

„Hader zeichnet beängstigend lebendige Karikaturen, lässt Psycherln, Monster der Spießigkeit, Gefühlsabstinenzler und andere Ungustel auftreten. Mit verbaler Rauflust übertritt er alle Schmerzgrenzen, presst sogar dem Abgründigen, Ung´schmackigen und allzu Menschlichen noch ein Weglachen ab. „Hader muss weg" ist das Schwärzeste seit den Monty Pythons."
Werner Rosenberger, Kurier Nachtkritik

 „Ein kaputter Barpianist, ein zerrütteter Tankwart, ein erbärmlicher Liebhaber mit Harnwegsinfekt und eine berechnende Geliebte auf der Suche nach der großen Leidenschaft. Was sich zwischen diesen Menschen abspielt, ist grell lustig und bedrückend traurig, ist absurdes Theater, geschrieben in der Art eines Drehbuchs. Hader bietet ein intensives Spiel zwischen großer Leidenschaft und kleiner Enttäuschung, beim Verbeugen ist sein Gesicht nach dieser präzisen Meisterleistung so grau wie der Inhalt des Abends. Doch es darf auch gelacht werden, Hader setzt entlang des düsteren Weges ein Feuerwerk exzellenter, meist neuer Pointen, die Mischung aus all dem ergibt einen großen Abend, für den das Wort Kabarett eigentlich zu kurz greift."
Jorda, Niederösterreichische Nachrichten

„Aber ist das, was Hader da in rasanten Rollenwechseln ausbreitet, Kabarett? Wie in einem Theaterstück oder in einem Film entwirft Hader Szenen, deren Trostlosigkeit sich nicht immer weglachen lässt. Hader balanciert gekonnt zwischen Tragödie und Komik und erreicht damit auch in diesem Filmkabaretttheaterprogramm, was er mit allen seinen bisherigen Kabarettprogrammen schaffte: alle Erwartungshaltungen an das, was Kabarett ist, erfolgreich zu zerstören."
Clemens Panagl, Salzburger Nachrichten